Dezember 23, 2023

Kindheitspädagogik - Theorie und Geschichte (2)

Teil 2

Geschichte institutioneller Kleinkinderziehung bis 1945

Pastor Johann Friedrich Oberlin (1740-1782)

  • etablierte 1769 erste Einrichtungen für Kleinkinder im Steintal (im Elsass), dazu zählten Kleinkinderschulen & Strickstuben
  • Einrichtungen sollten Kinder beim Erwerb der französischen Sprache unterstützen
  • die tägliche Unterrichtszeit betrug 3-4 Stunden
  • in den "Strickschulen" oder "Wohnstuben für Stricken" wurden dem Französischunterricht, Rechnen, Heimat- & Pflanzenkunde und Stricken erteilt, zur Seite standen ihnen Kleinkindlehrerinnen
  • Kinder sollten in den Strickschulen an eine Arbeitstätigkeit gewöhnt werden, dabei stand die Erziehung zur "Inustriosität" (Fleiß, Ordnungsliebe, Arbeitsfreude) im Mittelpunkt
  • Oberlins Erziehungsgrundsatz war: "Erzieht eure Kinder ohne zuviel Strenge...mit andauernder zarter Güte, jedoch ohne Spott."
  • Manuelle Tätigkeiten führte er ein, wie:
    • Stricken
    • Malen
    • Blätterpresse & -einkleben
  • -> um die Konzentrationsfähigkeit & Fertigkeiten der Kinder zu erhöhen
  • die Kinder erlernten die zusätzlich die französische Sprache, mithilfe:
    • Bilder
    • Gesang
  • Heimat- & Gesteins- & Pflanzenkunde wurde vermittelt, er legte dazu Sammlungen zu naturkundlichen Themen an
  • Spiele, Karten, Holzbuchstaben wurden als didaktische Elemente erkannt, eingeführt und Ausflüge zur körperlichen Betätigung eingesetzt
  • um die Erwachsenen zu fördern, gründete er eine Leihbibliothek und landwirtschaftliche Vereine
  • durch sein sozialpädagogisches Wirken eröffnete Oberlin Frauen einen Weg in die anerkannte Berufswelt
  • während der französischen Revolution waren öffentliche Gottesdienste untersagt, Oberlin legte sein Ornat ab und gründete einen Volksklub "Klubveranstaltungen", führte jedoch religiöse Versammlungen weiter
  • 1794 wurde er inhaftiert
  • erst nach Umschwung der Politik, 1795 konnte er offiziell wieder als Pfarrer tätig sein
  • 1871 wurde der Oberlin-Verein als erste verbandsförmige Organisation der evangelischen Kleinkinderschulen gegründet
  • 1768 Heirat mit Madeleine Salome Witter (1747-1783), hatten 9 Kinder
  • Madeleine Salome Witter unterrichtete junge Mädchen, wirkte später bei der Ausbildung von Erzieherinnen für die Kleinkinderschulen mit
  • 1826 starb Oberlin in Waldersbach

Samuel Wilderspin

Samuel Wilderspin (1792-1866)

  • Leiter der Zentral-Kinderschule in London
  • 1826 Werk "Über die frühzeitige Erziehung der Kinder und die englischen Klein-Kinder-Schulen" oder "Bemerkungen über die Wichtigkeit, die kleinen Kinder der Armen im Alter von anderthalb bis sieben Jahren zu erziehen"
  • -> 1. Buch über Kleinkindschulen
  • ab 1820 leitete Samuel Wilderspin mit seiner Ehefrau Sarah Anne eine Kleinkinderschule in Spitalfields (London)
  • nach Wilderspin sollten Kleinkinderschulen:
    • der Verwahrlosung und damit auch der späteren Ausübung von Verbrechen vorbeugen
    • die Beaufsichtigung jüngerer Kinder gewährleistet werden, damit deren älteren Geschwister ebenfalls die Schule besuchen konnten
    • die Betreuung umfasste Kinder von 1 1/2 - 7 Jahren, Montags-Samstags, Vormittags & Nachmittags
  • Wilderspin entwickelte 4 Regeln beim Unterrichten von Kleinkindern:
    • 1) um die Fähigkeiten des Kindes mit geeignetem Essen zu ernähren
    • 2) alles zu vereinfachen und zu erklären, um es richtig an diese Fakultäten anzupassen
    • 3) nichts zu übertreiben, entweder indem man zu viel Unterricht oder Anweisungen über ihre Jahre hinaus gibt und so das Gehirn überreizt & die Fähigkeiten verletzt
    • 4) Vermischung sowohl Bewegung als auch Unterhaltung mit dem Unterricht in gebührenden Abständen, was leicht durch eine moderate Menge desingen, abwechselnd mit den üblichen Bewegungen und Entwicklungen im Schulraum und der uneingeschränkten Freiheit des Spielplatzes erfolgt

Pfarrer Georg Heinrich Theodor Fliedner (1800-1864)

  • 1822 Gemeindepfarrer in Kaiserswerth bei Düsseldorf
  • 1826 Gründung der "Rheinisch-Westfälischen Gefängnisgesellschaft"
  • 1828 Heirat mit Friederike Wilhelmine Münster (1800-1842), hatten 11 Kinder
  • 1833 gründete er mit seiner Ehefrau das weibliche Asyl für strafentlassene Frauen
  • 1835 Gründung Strickschule, um die schlechten Bildungsverhältnisse der Kinder & Jugendlichen zu verbessern & eine eventuelle Straffälligkeit zu verhindern
  • durch einen Besuch der englischen Kleinkinderschule in London, wurde er dazu angeregt, eine Diakonissenanstalt mit einer Ausbildungsstätte für Kleinkinder-Lehrerinnen zu gründen
  • 1836 Gründung Kleinkinderschule & Gründung der Diakonissenanstalt Kaiserswerth als Ausbildungsstätte für evangelische Pflegerinnen
  • die 1. Vorsteherin, war seine 1. Ehefrau, später übernahm seine seine 2. Ehefrau dieses Amt bis 1883
  • 1842 Werk "Liederbuch für Kleinkinder-Schulen und die unteren Klassen der Elementar-Schulen" überliefert er einen Stundenplan einer Kleinkinderschule, Aufschluss über die Beschäftigungen:
    • 8-9, 11¼-11¾, 1-2, 4-4½ Spielen im Freien
    • 10-10¾ Spielen im Freien, sowie Essen des Frühstücks
    • 2¾-3½ Spielen im Freien, Essen des Versperbrodes
    • daneben Gesang, Gebet, biblische Geschichte (von 9-9½)
    • Lautiren, exercirmäßiges Bewegen des Körpers, Schreiben, Zeichnen (von 9½-10)
    • Auswendiglernen von Liederversen, Sprüchen (von 2½-2¾)
  • 1843 Heirat mit Caroline Bertheau (1811-1892), hatten 8 Kinder
  • Fliedner gilt, gemeinsam mit seinen Frauen, als Gründer des neuzeitlichen evangelischen Diakonissenamtes
  • den höchsten Stand erreichte die Anstalt 1936 mit fast 2.000 Diakonissen

Johannes Fölsing (1816-1882)

  • 1842 Schulgehilfe an der neu gegründeten höheren Lehr- & Erziehungsanstalt von Lucius & Knispel
  • 1843 Kleinkinderschule in Darmstadt eröffnet
  • 1844-1869 war er als Lehrer an der Darmstädter Garnisonsschule beschäftigt
  • er war Mitarbeiter im Verein zur Förderung deutscher Volks- & Jugendbildung, Mitbegründer einer Fortbildungsschule für Töchter armer Eltern
  • bei der Kleinkinderschule für höhere Stände sollte es sich um eine familienergänzende Einrichtung handeln, die Kinder sollten entsprechend ihrer Entwicklung geistig & moralisch gefördert werden
  • Fölsing legte Wert auf eine Bildung zur Selbsttätigkeit & Selbstständigkeit
  • Fölsing ging es nicht um die Vermittlung von Kenntnissen oder schulischer Inhalte, sondern um die natürliche Entwicklung der kindlichen Kräfte & Anlagen
  • Carl Friedrich Lauckhard (1813-1876) gründete eine Privaterziehungsanstalt in Alzey (Rheinland-Pfalz)
  • Fölsing & Lauckhard gingen davon aus, dass Kleinkinderschulen neben den Elementarschulen Bestand haben würden, damit wird deutlich, dass die fortschreitende Etablierung von Einrichtungen eine sozialfürsorgliche Funktion, während sich ihre mehr oder weniger ausgeprägte pädagogische Funktion an den Wertvorstellungen der jeweiligen Träger & Leiter orientierte

-> Die Kleinkinderbewahranstalten & Kleinkinderschulen hatten je nach Schichtzugehörigkeit der Eltern eine unterschiedliche Funktion, die von der reinen Bewahrung bis zur familienergänzenden Komponente reichen konnte


  • Angebotsformen:
    • Kleinkindbewahranstalt: Vorbeugen von Kriminalität durch Kinder, Verwahrlosung verhindern, Erziehung zu rechtschaffenden, arbeitswilligen, arbeitsfähigen Bürgern, mit festen christlichen Glauben
    • Kleinkinderschulen: eher christlich-missionarische Ziele, sittliche-religiöse Erziehung im Mittelpunkt (von beiden Konfessionen), meist an Diakonissenhäuser/Orden angeschlossen

Der Fröbelsche Kindergarten

  • "Kindergarten" wird mit Friedrich Fröbel (1782-1852) verbunden, auch wenn bereits vor der Etablierung der Kindergarten-Idee eine Vielzahl von nebenfamilialen Einrichtungen zur Betreuung von Kindern gab
  • Friedrich Fröbel gebrauchte die Bezeichung "Kinder-Garten", ab 1840, vorher beschäftigte er sich mit "Spiel-, Beschäftigungs- & Pflegeanstalten"
  • Garten= Paradies, also Kindergarten= das den Kindern wieder zurück zu gebende und gegebenes Paradies
  • am 28.06.1840 fand die Gründungsveranstaltung des Allgemeinen Deutschen Kindergartens im Rathaus von Blankenburg statt
  • 1843 legte Fröbel in der "Nachricht und Rechenschaft vom Deutschen Kindergarten" die Ziele & Aufgaben des Kindergartens dar, wobei er seine pädagogischen Grundanschauungen skizziert
  • "Eine Musteranstalt also für Kinderpflege, eine Übungsanstalt für Kinderführer und Führerinnen, eine Anstalt, welche angemessene Spiele und Spielweisen zu verallgemeinern sucht, eine Anstalt, endlich, mit welcher alle in solchem Geist wirkende Eltern, Mütter, Erziehende und ganz besonders sich bildende Kindergärten durch ein von ihr heruaszugebendes Blatt in lebenvollem Zusammenhange stehen können - dieß soll der Deutshe Kindergarten sein."
  • 1844 begab sich Fröbel auf Reisen, um die Kindergarten Idee bekannt zu machen und um sein Spielmaterial zu erläutern
  • Fröbels Kindergarten geriet unter Verdacht, Teil des sozialistischen Systems zu sein & die Jugend zum Atheismus heranbilden zu wollen
  • 1851 Kindergartenverbot, Kindergärten galten als gemeingefährlich & verwerflich

-> Idee & Konzeption des Kindergartens wurde wesentlich durch Friedrich Fröbel geprägt. Fröbel gründete 1840 den Allgemeinen Deutschen Kindergarten in Blankenburg.


Die Kindergartenentwicklung von 1860-1918

  • am 17.04.1860 wurde das Kindergartenverbot aufgehoben
  • Helge Wasmuth, 2011:
    • 1872 - 2000 Kleinkinderschulen, für kaum 5% der Kinder (Preußen 500, Bayern 300, Württemberg 200, Baden 160, Hessen 120, Sachsen 40, Hannover 26)
    • 1910 - 7259 Einrichtungen, 558.610 Kinder (3-6) betreut wurden, Platzangebot lag bei 13%
    • 1907 - Zahl der unzureichend versorgten Kleinkinder auf 2.000.000 beziffert
  • es gab viele Vereinsgründungen, welche die Entwicklung von Kindergärten fördern wollten
  • die größten Vereine schlossen sich 1873/74 im "Deutschen Fröbelverband" zusammen
  • Vereine:
    • 1864 - "Deutsche Fröbel-Verein" in Thüringen
    • 1871 - "Oberlin-Verein"
    • 1916 - "Verband der katholischen Kleinkinderanstalten Deutschlands"

Bertha von Marenholtz-Bülow

Bertha von Marenholtz-Bülow (1810-1893)

  • war eine bedeutende deutsche Kindergarten-Pädagogin, eine herausragende Persönlichkeit innerhalb der Fröbelbewegung
  • durch Bertha wurde Friedrich Fröbel zum international bekanntesten und anerkanntesten deutschen Pädagogen
  • sie gründete Volkskindergärten, ein Kindergärtnerinnenseminar und Fröbelvereine
  • im Gegensatz zu Fröbel, forderte Bertha eine strenge Trennung zwischen den Kindern des Proletariats und des Bürgertums in so genannte Volks- und Familienkindergärten
  • mit der Errichtung von „Volkskindergärten“ reagierte Bertha auf die „mit der zunehmenden Proletarisierung der Arbeiterschicht einhergehende Verwahrlosung der Arbeiterklasse“
  • sie setzt sich für eine Betreuung armer Kinder ein, denn die Mehrzahl der bestehenden Kindergärten wurden von Kindern wohlhabender Klassen besucht
  • Diese Zweiteilung führte letztlich zur Erstarrung der Fröbelschen Spielkonzeption und zurück zur Kinderbewahranstalt

Ida Seele

Ida Seele (1825-1901)

  • war die erste Fröbelkindergärtnerin
  • Ida ließ sich bei Fröbel persönlich in Blankenburg zur Kindergärtnerin ausbilden lassen
  • 1840 übertrug Fröbel Ida Seele die Leitung des ersten Kindergartens
  • in Darmstadt arbeitete sie 14 Jahre in einer Kleinkinderschule
  • danach war sie für eine kurze Zeit als Leiterin einer Höheren Mädchenschule in Landsberg an der Warthe (Polen) tätig
  • 1860 übersiedelte sie nach Berlin, dort leitete sie mehrere Kindergärten und unterrichtete am Kindergärtnerinnenseminar des Berliner Frauenvereins zur Beförderung Fröbel'scher Kindergärten
  • Ida Seele gab:
    • Theoretisch-praktische Vorführungen der Fröbelschen Spiel- & Beschäftigungsmittel
    • Erzählstunden
  • sie engagierte sich in der Berliner "Freien Gemeinde"

Angelika Hartmann

Angelika Hartmann (1829-1917)

  • Kindergärtnerin, eröffnete in Dresden einen privaten Kindergarten
  • 1864 Gründung ersten Kindergarten nach Fröbel
  • ihrem Kindergarten fügte sie eine dreiklassige Elementarschule hinzu, später noch eine höhere Töchterschule und ein Kindergärtnerinnen- & Lehrerinnenseminar
  • 1876 gründete sie den "Leipziger Fröbelverein", der 1879 dem Deutschen-Fröbelverein (DFV) beitrat und einen Volkskindergarten
  • sie rief noch die Vereine den Kindergartenverein "Hartmania" & "Deutsche Mütter" ins Leben
  • sie starb am 22.03.1917 in Leipzig

  • ab 1860 kam es zur Verbreitung von "Volkskindergärten", als Erziehungsstätte für Arbeiterkinder, die sich an den Bedürfnissen von Eltern aus den unteren Schichten orientierten
  • diese waren den ganzen Tag über geöffnet und orientierten sich an der Kindergartenmethode Fröbels
  • der Kindergarten nach Fröbels Idee sollte auch den Kindern sozial schwacher Eltern zugänglich sein
  • Volkskindergärten sollten:
    • die kindliche Entwicklung fördern
    • neben der Gewöhnung zu Ordnung & Reinlichkeit, die Kinder auch zu kleinen wirtschaftlichen Arbeitsübungen anhalten

-> Im deutschen Kaiserreich gab es eine Vielzahl von Kindergartenträgern. Neu war der Volkskindergarten für Kinder aus dem Arbeitermilieu.


Die Stellung des Kindergartens in der Weimarer Republik (1918-1933)

  • 24.02.1924 - der Kindergarten wurde Teil der Jugendhilfe im Reichsgesetz für Jugendwohlfahrt (RJWG)
  • der Kindergarten wurde rechtlich und administrativ dem Jugendhilfebereich zugeordnet, klar von der Schule getrennt
  • eine Kindergartenpflicht wurde nicht eingeführt
  • der sozialpädagogische Charakter entsprach der Zuordnung des Kindergartens zum Bereich der Wohlfahrtspflege, wodurch ein vorschulischer Auftrag nicht gegeben war
  • Jürgen Reyer (*1943) stellt heraus, dass im Vergleich der Zeit vor dem 1. WK. die Anzahl der Einrichtungen der institutionellen Tagesbetreuung von Kleinkindern nahezu gleich geblieben war:
    • 1910 - 7.259 Anstalten mit 588.610 Plätzen
    • 1928 - 7.282 Kindergärten mit 421.955 Plätzen (wesentlich weniger Kinder betreut)
    • Anteil der öffentlichen Träger, in der Vorkriegszeit war verschwindend gering, allerding vergrößerte sich bis 1928 auf etwa ¼ des Gesamtbestandes
    • 1.865 Kinderärten mit 101.485 Plätzen (25,6% bzw. 24,1%) befanden sich in öffentlicher und 5.417 Kindergärten mit 320.470 Plätzen (74,4% bzw. 75,9%) in privater Trägerschaft

-> In der Weimarer Republik war der Kindergarten dem Bereich der Jugendwohlfahrt zugeordnet und hatte einen sozialpädagogischen Charakter


Der Kindergarten im Nationalsozialismus

  • "Nationalsozialistische Volkswohlfahrt" (NSV) war bestrebt, alle Kindergärten zu übernehmen
  • konfessionelle EInrichtungen blieben zunächst von Übernahmen verschont
  • die Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt (1933), der Paritätischen Wohlfahrt (1934), des Roten Kreuzes (1937) gingen in die Trägerschaft der NSV über
  • Waldorfkindergärten & Montessori-Kinderhäuser wurden früher geschlossen
  • 1938 löste sich der deutsche Fröbelverband auf
  • die traditionelle Verbandszeitschrift "Kindergarten" wurde ab 1933 mit dem Untertitel geführt "Zeitschrift für die nationalpädagogischen Aufgaben in Familie und Volksgemeinschaft unter besonderer Berücksichtigung der Kleinkinder- und Schulkinderpflege"
  • Helge Wasmuth:
    • NSV konzentrierte sich auf die unversorgten ländlichen Regionen, im Sommer 1934 wurden 600 Erntekrippen & Erntekindergärten als Saisoneinrichtungen gegründet
    • ab Mai 1935 wurden Dauerkindergärten eingerichtet
    • mit Kriegsbeginn wurden auch Hilfskindertagesstätten eingerichtet, die Zahl erhöhte sich beständig
    • NSV-Trägerschaft: 597 (1934), 3.345 (1936) 17.282, (1939), 30.899 (1942), zuletzt gab es insgesamt 16.149 Dauerkindergärten

  • die Ausbildung der Kindergärtnerin sollte durch das "nationalsozialistische Erziehungsprinzip" geprägt werden
  • Aufgabe der Kindergärtnerin (1942):
    • mütterliche Führerin der Kinder in Kindertagesstätten (Kindergärten & Horten), Kinderheimen
    • in der Häuslichkeit zur Unterstützung oder auch an Stelle der Mutter
    • ihre Arbeit ist Dienst am Kinde, Dienst an Familie & Volk

  • die Kinder sollten sich gehorsam gegenüber der Kindergärtnerin als Führerin zeigen
  • Geschlechterrolen, waren klar vorgegeben: Mädchen - sollten auf ihre Mutterrolle vorbereitet werden, Jungen - auf ihre Rolle als Kämpfer
  • Körperliche Leistungsfähigkeit wurde beonders hervorgehoben
  • Insgesamt betrachtet, war die Erziehung im nationalsozialistischen Kindergarten (laut Wilma Aden-Grossmann):
    • nicht auf liberale Tradition Fröbels aufgebaut, sondern knüpfte an die Tradition der Bewahranstalten an, deren autoritäre Erziehung im nationalsozialistischen Kindergarten noch verstärkt wurde
    • durch die nationalsozialistische Erziehung sollte das Kind sich der väterlichen Autorität fügen & dem Führer gegenüber den gleichen kindlichen Gehorsam zeigen
    • Methodische Prinzipien des Fröbel-Materials wurden nach wie vor in den Fachschulen gelehrt
    • in Verkennung der liberal-demokratischen Konzeption Fröbels sah man in ihm, da er als Kriegsfreiwilliger am preußischen Feldzug gegen Frankreich teilgenommen hatte, einen Vorläufer völkischer Erziehung

-> Im Nationalsozialismus wurde die autoritäre Erziehung vor dem Hintergrund des nationalsozialistischen Erziehungsprinzips noch verstärkt.


Die Entwicklung des Kindergartens in der Bundesrepublik von 1945-1970

  • der Kindergarten wurde als ein jugendfürsorgerisches Angebot mit familienergänzenden Versorgungs- & Erziehungsaufgaben verstanden
  • nur ⅓ aller Kindergartenplätze standen zur Verfügung
  • da die Berufstätigkeit der Mutter nicht erwünscht war, sah man in den 1950er / 1960er Jahren keine Notwendigkeit, das Kindergartenangebot zu erhöhen
  • in den 1960er Jahren, verfügte die Mehrzahl der Mitarbeiter in den Kitas über keine fachspezifische Ausbildung; nur 45% der Mitarbeiter hatten eine Ausbildung
  • Kinderpflegerinnen, Kinderkrankenschwestern, Praktikanten waren in den Einrichtungen beschäftigt, sowie eine große Zahl an Mitarbeiter ohne pädagogische Qualifikation
  • der Kindergarten sollte auf die jüngeren Kinder an die beschützende Art der Familienerziehung anschließen, mit den älteren Kindern sollte gezielt und differenziert gearbeitet werden
  • Wilma Aden-Grossmann führt 3 Aspekte an, die verhinderten, dass sich der Kindergarten aus sich selbst heraus reformieren konnte:
    • 1. Er galt als eine sozialfürsorgerische Einrichtung, nicht aber als eine pädagogische Institution mit einem eigenen Bildungs- & Erziehungsauftrag
    • 2. Eine konservative Sozial- & Bildungspolitik verhinderte die Vermehrung der Kindergartenplätze, um den Trend zur Berufstätigkeit der verheirateten Frauen mit Kindern nicht indirekt zu unterstützen, sondern ihm entgegen zu wirken
    • 3. Die Ausbildung der Erzieher oblag nicht wissenschaftlichen Hochschulen, sondern Fachschulen
  • der deutsche Bildungsrat kritisierte 1970 die Arbeitsweise des Kindergartens, in seinem "Strukturplan für das Bildungswesen", als unsystematisch, ohne konkrete Zielvorstellung und zufallsbestimmt, konstatierte außerdem, die Kleinkindpädagogik im Kindergarten bleibe weit hinter ihren Möglichkeiten zurück
  • Deutscher Bildungsrat (1970):
    • "Die pädagogische Praxis des heutigen Kindergartens entspricht der Theorie des selbständig reifenden Kindes. Man wartet darauf, was das Kind in seiner Entwicklung selbständig hervorbringt, um dann das herangereifte Vermögen zu stärken und zu fördern. Die an diesen pädagogischen Leitgedanken orientierten Spiele und Tätigkeiten der heutigen Kindergärten bedeuten durchaus eine Bereicherung der Lebenswelt der Kinder. Der pädagogische Erfolg bleibt jedoch meist hinter dem zurück, was von einer modernen Kleinkindpädagogik im Kindergarten erwartet wird und nach neueren Forschungen auch erwartet werden darf."

-> Der Kindergarten war in der Bundesrepublik bis Anfang der 1970er Jahre ein sozialfürsorgerisches Angebot mit familienergänzenden Aufgaben


Der Kindergarten in der DDR

  • in der DDR war der Staat Träger fast aller Kindertageseinrichtungen, diese waren dem Ministerium für Volksbildung zugeordnet
  • in den Bildungsplänen & Programmen für den Kindergarten spiegelt sich die Forderung nach Entwicklung & Erziehung von Persönlichkeit wieder, die dem Aufbau des Sozialismus dienen sollte
  • Kinder sollten von frühester Kindheit an, im Kinderkollektiv leben und nach den Normen der sozialistischen Moral erzogen werden
  • § 10 der Kindergartenordnung von 1983:
    • "Die sozialistische Erziehung der Kinder erfolgt auf der Grundlage des vom Ministerium für Volksbildung herausgegebenen Bildungs- und Erziehungsplanes sowie der dazu erlassenen inhaltlichen Orientierungen"
  • neben der fürsorglichen Betreuung & Vorbereitung auf die Schule, stand auch die sozialistische Erziehung im Vordergrund
  • Erziehungskonzepte, sollten auf Kinder nachhaltig einwirken können, dass sich jedes Kind nach den gesellschaftspolitischen Zielvorgaben formen lasse
  • in der DDR-Kindergartenpädagogik sollte die Eigenstätigkeit nur innerhalb der vorgegebenen Grenzen erfolgen, sodass Kinder in der funktionalen Betrachtung des Staates zum Erziehungsobjekt wurden
  • man legte in der DDR von Anfang an Wert darauf, die Vereinbarkeit von Familie & Beruf zu realisieren, es sollten Plätze für alle Kinder in den Ganztageseinrichtungen geschaffen werden
  • 1955 - 34,4% für alle Kinder einen Kindergartenplatz
  • 1965 - 55% besuchten alle 3-6jährigen den Kindergarten
  • Mitte 1980er standen für alle Kinder Plätze zur Verfügung
  • aufgrund der starken Arbeitsbelastung von Müttern, übernahm der Kindergarten neben der ganztätigen Versorgung 7-17Uhr, auch die gesundheitliche Betreuung, indem Kindergärtnerinnen regelmäßig mit den Kindern zum Zahnarzt, zu notwendigen Vorsorgeuntersuchungen u.a. Impfungen gingen
  • der Tagesablauf im Kindergarten hatte ein detailliertes pädagogisches Programm
  • es wurde ein Tagesablaufplan erstellt und ausgehängt, danach waren für alle Tätigkeiten (Spiel, Aufenthalt im Freien, Beschäftigungen, Körperpflege) bestimmte Zeitfenster vorgesehen, die festgelegt wurden und verbindlich waren
  • die Leiterin des Kindergartens hatte die Ergebnisse der Arbeit der pädagogischen Mitarbeiter zu kontrollieren, zu analysieren und auszuwerten

-> In der DDR sollte die Erziehung im Kindergarten den Normen der sozialistischen Moral folgen.


Antiautoritäre Kinderläden

  • die Kinderläden gehörten zu den Errungenschaften der Studentenbewegung
Monika Seifert
  • 1967 - wurde der erste repressionsfreie Kindergarten "die Kinderschule" von Monika Seifert (1932-2002) in Frankfurt am Main gegründet
  • sie wurde von Oskar Negt auch als "Mutter der Kinderläden" genannt
  • "repressionsfreie Erziehung" sollte den bisherigen Erziehungsstil ablösen = "antiautoritäre Erziehung"
  • Monika Seifert's pädagogische Konzeption anhand 3 Punkten:
    • 1. Das Kind muss sein Bedürfnis frei äußern und selbst regulieren können
    • 2. Die Kinder müssen ohne Schuldgefühle - also frei von dem, was wir heute Moral nennen - in funktional begründeter Rücksichtnahme aufwachsen können
    • 3. Das Lernen muss primär von den Fragen des Kindes ausgehen und nicht auf einem für das Kind notwendig abstrakt erscheinenden Programm beruhen

  • für die neuen Kindergärten wurden leerstehende Läden angemietet, da diese kostengünstig waren
  • die neuen Einrichtungen wurden "Kinderläden" genannt
  • in diesen Kinderläden sollten die Kinder "antiautoritär für eine freie, sozialistische und demokratische Gesellschaft erzogen werden"
  • die antiautoritäre Erziehung wollte die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen die Fähigkeit entwickeln, Widersprüche der Gesellschaft zu erkennen, sich nicht in blinder Anpassung ihren Anforderungen zu unterwerfen, sondern autonom zu handeln
  • in der antiautoritären Kindererzihung wurde das Eltern-Kind-Verhältnis im Sinne einer Selbstbildung des Kindes auch in der Gesellschaft neu bedacht, wobei das Kind allmählich als eigenständige Persönlichkeit geachtet wurde.

-> Die antiautoritären Kinderläden setzten sich bewusst von einer als autoritär empfundenen Erziehung ab und hatten über ihre Einrichtungen hinaus großen Einfluss auf die kindheitspädagogischen Diskurse in den 1970er Jahren


Der Situationsansatz

  • der Situationsansatz wurde 1971-1976 von der Arbeitsgruppe Vorschulerziehung am deutschen Jugendinstitut in München unter der Leitung von Jürgen Zimmer entwickelt
  • der Situationsansatz wurde in 11 Modellkindergärten in Hessen & Rheinland-Pfalz erprobt
  • der Situationsansatz geht von der Selbständigkeit des Kindes aus & zielt auf diese ab, indem Neugier & Wissbegier der Kinder vorausgesetzt werden, wie ihr Interesse an einer aktiven Mitgestaltung ihrer Umwelt
  • im Mittelpunkt stand ein 28 Einheiten umfassendes Curriculum, die Einheiten (Verlaufen in der Stadt, Müll, Kinder werden abgelehnt, Kinder aus unvollständigen Familien) thematisieren für die Kinder relevanten Lebenssituationen und zeigen exemplarische Handlungsmöglichkeiten auf, in denen die Kinder zur Bewältigung ihrer individuellen Lebenssituation befähigt werden sollen
  • Einheit "Verlaufen in der Stadt":
    • damit Kinder eine genaue Vorstellung von der Struktur ihrer umittelbaren Umgebung bekommen, sollen die Kinde, die Umgebung des Kindergartens in dreidimensionaler Form zu bauen
    • im Sandkasten oder auf dem Rasen, mit Bauklötzen, Plastilin, Lego
    • während des Bauens können die Kinder immer wieder hinausgehen, sich die Umwelt wirklich ansehen und dann versuchen, sie nachzubauen
    • Modellbauten & Stadtplanspiele können Kinder anregen, sich auf Spaziergängen bewusster orientieren und darüber sprechen, wo die anderen Kinder wohnen und wie man bestimmte Ziele erricht z.B. das Schwimmbad oder wieder zum Kindergarten zurückfindet

  • päd. FK. obliegt es, die Rahmenbedingungen für die Lernprozesse herzustellen und anzuregen
  • die Rolle der päd. FK.: Anregerin, Entwicklungsbegleiterin, Forscherin, Moderatorin, Mitlernende, Neugierige, Entdeckerin
  • lebensweltorientierte Verständnis von Erziehung & Bildung dieses Ansatzes ist Grundlage der konzeptionellen Arbeit von Kindertagesstätten, indem sich die pädagogische Praxis an den jeweiligen Lebensbedingungen der Kinder orientiert und zur selbstständigen Bewältigung von Lebenssituationen befähigt
  • der Situationsansatz ist das am weitesten verbreitete Konzept für die Kindertagesstätte
  • die pädagogische Arbeit im Situationsansatz lässt sich durch folgende Merkmale charakterisieren:
    • mit Kindern im Dialog
    • Lebenswelt erkunden
    • Forschungsgeist bei Erwachsenen
    • Forschungsgeist bei Kindern
    • Alltag gemeinsam gestalten
    • nicht alle Kinder brauchen das Gleiche
    • Eltern gehören dazu
    • Qualität entwickeln

-> Der an der Lebenswelt orientierte Situationsansatz ist einer der bekanntesten Ansätze der Kindheitspädagogik.


Reggio-Pädagogik

  • stellt eine Ergänzung zum Situationsansatz dar, durch Integration von Malerei, Theater, Puppenspiel, Musik (ästhetischer Schwerpunkt)
  • sie ist nach der Stadt Reggio Emilia in Norditalien benannt
  • 1981 wurde die Reggio-Pädagogik international bekannt, durch die Wanderausstellung "Die 100 Sprachen der Kinder"
  • Kinder gelten als aktiv & kreativ auf die Gestaltung ihrer Entwicklung
  • als Forscher ist das Kind Mitschöpfer seiner Entwicklung
  • das Kind soll sich emotional mit dem Gegenstand seines Interesses identifizieren, um begeistert lernen zu können
  • im Rahmen von Projektarbeiten sollen Kinder alltagsbezogene Kompetenzen erwerben, um so ein Verständnis von der Welt und sich selbst gewinnen
  • der Raum in der Reggio-Pädagogik "als dritter Erzieher" hat eine große Bedeutung, ist Teil des pädagogischen Gesamtkonzepts
  • der Raum soll den Kindern Geborgenheit vermitteln und sie stimulieren
  • der Raum der Reggio-Pädagogik geht über den unmittelbaren Raum der Einrichtung hinaus, da er als pädagogisch wirksamer Raum ebenfalls das Umfeld der Einrichtung erschließen soll (Plätze, öffentliche Gebäude, Wiesen)
  • Zum pädagogischen Raum gehören in der Reggio-Pädagogik:
    • gesamte Raumangebot einer Kita & das zugehörige Außengelände
    • erschließbare Umfeld
    • Straßen & Plätze
    • Natur Parks, Gärten, Äcker, Wiesen, Teiche, Wasserläufe
  • Raum als dritter Erzieher:
    • 1. Erzieher: das Kind selbst, wird als Konstrukteur seiner eigenen Entwicklung gesehen
    • 2. Erzieher: das soziale Umfeld, die Familie, die Erzieher in der Kita, die anderen Kinder in der Einrichtung, die Peer-Group
    • 3. Erzieher: die sinnlich & emotional erfahrbaren Momente im Kinderalltag kommen ins Spiel, die Wohlbefinden, Unbehagen erzeugen können

Loris Malaguzzi (1920-1994)

Loris Malaguzzi
  • 1945 gründet er einen Volkskindergarten, indem der Dialog & die Kommunikation des Kindes im Mittelpunkt standen
  • 1960 eröffnet er ein Zentrum für behinderte Kinder, in der Zeit hat Malaguzzi auch kommunale Krippen & Kindergärten in Reggio Emilia beratend begleitet
  • 1970-1985 als Koordinator der frühpädagogischen Arbeit geleitet
  • 1980 gründet Malaguzzi den Nationalverband der Krippen & Kindergärten und initiierte die Ausstellungen "Wenn das Auge über die Mauer springt" & "Die hundert Sprachen der Kinder", welche die Reggio-Pädagogik zum internationalen Erfolg führten
  • das US-Magazin "News Week" erklärte die Reggio-Pädagogik in Reggio Emilia zu den besten vorschulischen Einrichtungen weltweit
  • 1994 wurde die Stiftung "Reggio Children" gegründet, um die internationale Zusammenarbeit weiter auszubauen
  • Mitbegründer der Reggio-Pädagogik
  • Kinder sind Forscher
  • Malaguzzi's Ziel: Kindern mit Achtung begegnen, können ihre eigenen Rechte aufstellen, diese von ihnen selbst verwirklicht würden

-> Die Reggio-Pädagogik weist dem Raum als "dritter Erzieher" eine essenzielle Bedeutung zu


Waldkindergärten

  • die Idee des Waldkindergartens kommt aus Skandinavien, wurde Mitte des 20. Jhd. eingeführt und etabliert
  • in Deutschland ist der "Kindergarten ohne Türen und Wände" seit den 1990ern bekannt und als frühpädagogisches Konzept anerkannt
  • der klassische Waldkindergarten kommt ohne ein Gebäude aus, bietet nur eine Schutzhütte oder einen Bauwagen bei schlechter Wetterlage + für die Aufbewahrung der Materialien an
  • Raumkonzept der Einrichtung, Wald stellt Naturraum in Mittelpunkt (als Aktivitäts- & Bewegungsraum, bietet weitläufigen Erfahrungsraum)
  • Konzeption der Waldkindergärten (nach Ingrid Miklitz):
    • Förderung der Motorik durch natürliche, differenzierte, lustvolle Bewegungsanlässe & -möglichkeiten
    • Erleben der jahreszeitlichen Rhythmen & Naturerscheinungen
    • Förderung der Sinneswahrnehmung durch Primärerfahrungen
    • Ganzheitliches Lernen (Lernen mit allen Sinnen, dem Körper, alle Ebenen der Wahrnehmung ansprechend)

  • der Naturraum Wald wird als ein besonderer Entwicklungsraum für Kinder angesehen, der vielfältige Impulse setzen kann
  • der Wald wirkt umfassend auf die Sinne ein, diese können ganzheitlich gefördert werden
  • Motorik wird geschult, durch Klettern, Balancieren
  • Grenzen körperlicher Belastung & Stille des Waldes können erfahren werden
  • im Naurraum Wald kann gefördert werden:
    • Selbstsicherheit
    • Kompetenzerleben
    • Empathie
    • Ausdauer
    • Flexibilität
    • Kooperationsfähigkeit
    • Neugier
    • Phantasie & Kreativität

  • der Aufenthalt in der Natur wirkt sich positiv auf das physische & psychische Wohlbefinden der Kinder aus, fördert ein positives Selbstkonzept

-> Der Waldkindergarten stellt Kindern den Wald als Naturraum zur Verfügung


Herausforderungen der Kindheitspädagogik im 21. Jhd.

Kinder mit Migrationshintergrund und interkulturelle Bildung

Nach dem Bildungsbericht 2020 ist eine Person mit Migrationshintergrund:

  • wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt
  • 1. Zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländer
  • 2. Zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte
  • 3. (Spät-) Aussiedler
  • 4. mit deutscher Staatsangehörigkeit geborene Nachkommen

  • Migrationskonzept unterscheidet die unmittelbare, eigene (1. Migrationsgeneration), sowie die nur Zuwanderungserfahrung (2. / 3. Migrationsgeneration) und berücksichtigt die bisher in Deutschland lebende Generationenfolge
  • Friedrich Heckmann (*1941) wies 2015 darauf hin, dass Kinder ohne Migrationshintergrund stärker von der Ausweitung der vorschulischen Bildung profitieren
  • Internationale Studien:
    • PISA-Studie (testen Leistungen im Leseverständnis, Mathematik, Naturwissenschaften)
      • begann 2000, Deutschland weist gravierende Leistungsschwächen bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund nach
      • seit 2003 haben sich die Abstände verringert
      • potenzielle frühkindliche Entwicklungsrisiken sollte nicht jede Familie mit Migrationshintergrund als Risikofamilie eingestuft werden
    • TIMSS-Studie (Studie für Grundschüler, erheben Leistungen in Mathematik & Naturwissenschaften)

  • Bildungsungleichheiten entstehen nicht erst mit dem Schuleintritt
  • ein entwickeltes System vorschulischer Bildung kann die Abhängigkeit des Bildungserfolgs von sozialer Herkunft & Migrationsstatus verringern
  • Bildungsangebote sollten für alle Kinder früh verfügbar gemacht werden, die vorschulische Bildung durch eine hohe Qualität gekennzeichnet sein
  • dabei ist die sprachliche Förderung ist eine wichtige Aufgabe!
  • Ausgangspunkt für die interkulturelle Pädagogik ist die Vielfalt der Kulturen, das Eintreten in den interkulturellen Dialog & die Akzeptanz von Andersartigkeit
  • "Vielfalt ist zu einer gesellschaftlichen Grunderfahrung geworden, dies gilt insbesondere für die Dimension der Multikulturalität" (Jungk, 2020)
  • Kitas sollten Vielfalt repräsentieren, während Kinder mit dieser Vielfalt vertraut gemacht werden und sie als selbstverständlich akzeptieren
  • Diversitätsbewusstes Material kann für einige Kinder Zugang zu neuen Erfahrungen eröffnen, sich bestätigt zu fühlen

-> Die Kindheitspädagogik hat vor dem Hintergrund der interkulturellen Pädagogik die Vielfalt der Kulturen zu berücksichtigen.


Inklusion

  • UN-Behindertenrechtskonvention (2009) trat in Kraft, die Konvention zielt darauf ab, auf alle Kinder sich zu fokussieren, keine Separation
  • Inklusionsbegriff wird meist auf Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf begrenzt
  • Inklusive Bildung bedeutet Gemeinsamkeit von ANfang an
  • Kitas haben für die Entwicklung einer frühkindlichen inklusiven Entwicklung eine besondere Bedeutung
  • Bsp. Besuch von gemeinsamen Bildungseinrichtungen für alle Kinder, damit hat die Pädagogik der frühen Kindheit eine zentrale Position im Bildungssystem
  • Bsp. Gemeinsam (Kind & Eltern) Spielen/Lernen, dabei Partizipation praktizieren, ein Bewusstsein für Barrieren entwickeln, den weiteren Bildungsweg gestalten & mitbestimmen können

-> Inklusion stellt insbesondere für die Kindheitspädagogik eine bleibende Herausforderung dar, da es um eine gemeinsame Bildung von Anfang an geht.


Sprache & Literacy

  • von der sprachlichen Bildungsarbeit ist die Sprachförderung zu unterscheiden, sodann die Spracherziehung & Sprachtherapie
  • Sprachliche Bildungsarbeit:
    • legt Wert auf das Verständnis von Bildung als Selbstbildung
    • Pädagogisch inszenierte Angebote werden wirksam, wenn sie von Kindern eigenaktiv wahrgenommen & verarbeitet werden
    • ist alltagsintegriert, richtet sich an alle Kinder, ist Aufgabe frühpädagogischen Handelns
    • Frühe Literacy (Lese- & Schreibkompetenz) ist ein Teil davon, richtet sich an den schriftkulturellen Teil der Sprache

  • Sprachförderung:
    • ein spezifischer Teil der sprachlichen Bildung, zielt auf einen gezielten und strukturierten Aufbau sprachlicher Fähigkeiten
    • richtet sich an Kinder, die über weniger entwickelte sprachliche Kompetenzen verfügen
    • kommunikative Fähigkeiten, abzielende sprachliche Bildungsarbeit legt den Grundstein für alle Kinder
    • sprachstrukturelle Zugänge für mehrsprachige Kinder oder für Kinder mit gering ausgebildet sprachlichen Kompetenzen zusätzlich notwendig sein können
  • der Erwerb der Frühen Literacy ist Teil der sprachlichen Bildung
  • Literacy richtet sich auf den Gegenstand der schriftlichen Sprache
  • Frühe Literacy beschreibt frühe Entwicklungsformen des Lesens & Schreibens, Fähigkeiten, Wissen & Haltungen des Kindes
  • es geht dabei um Erfahrungen mit Buch-, Erzähl- & Schriftkultur in der frühen Kindheit
  • Förderung von Literacy-Kompetenzen zielt auf die mündliche Sprachfähigkeit von Kindern, auf die Erfahrungen im Umgang mit Schrift & die phonologische Bewusstheit

-> Der frühe Literacy-Erwerb ist Teil der sprachlichen Bildung


Frühe Bildung & Digitalisierung

  • Medien sind in Kitas ein relevanter Bildungsgegenstand & die Kitas haben einen Bildungsauftrag zur Medienerziehung
  • digitale Medien gehören zum Aufwachsen der Kinder dazu, sind ein selbstverständlicher Teil ihrer Lebenswelten
  • Medienpädagogik in Kitas sollte darauf zielen, digitale Medien als kreative Werkzeuge zu nutzen oder sich mit ihrer Hilfe bestimmte Informationen zu erschließen, Kinder können sich kritisch damit auseinandersetzen
  • in der Medienerziehung geht es um die Bedienung von Medien, um die Nutzung der Medien als Gestaltungs-, Kommunikations- & Reflexionsmittel

Kindertageseinrichtungen als exklusive Bildungseinrichtungen

  • es entstehen hochpreisige Kitas, die privatgewerblich betrieben werden und sich bewusst als exklusive Bildungseinrichtungen an Eltern aus oberen ökonomischen Milieus richten
  • damit geht die Befürchtung einher, dass die sozialen Ungleichheiten bereits im Kleinkindalter bestärkt werden
  • Elitebildung im Elementarbereich, bleibt gleich mit der Bildungsfunktion eine "Bildung für alle von Anfang an", als eine bleibende Herausforderung für die Kleinkindpädagogik

-> Im Zuge der wachsenden Bedeutung der frühkindlichen Bildung entstehen auch hochpreisige Kindertageseinrichtungen, die sich in ihrer Exklusivität von anderen Einrichtungen abgrenzen wollen. Dabei steht nicht der Elitegedanke im Vordergrund, sondern der Wunsch nach Exklusivität.